Sandmücken bekämpfen

Oft verwechselt – Sandfloh und Sandmücke

Haben Sie von Ihrem Ihrem Urlaub am Mittelmeer schon einmal schwer heilende Insektenstiche mitgebracht? Wahrscheinlich wussten Sie nicht, was Sie da gestochen haben könnte. 

Dann geht es Ihnen wie vielen anderen, denn Sandmücken sind den meisten Menschen unbekannt. Informieren Sie sich jetzt, was Sie zum Schutz im Urlaub am Mittelmeer aber auch in Mitteleuropa tun können.

Sandmücken am Mittelmeer und in Deutschland - Biteling

Bildquelle: Wikipedia – James Gathany
Sehr empfehlenswert ist auch der Artikel bei Wikipedia.

Sandmücken und Sandflöhe werden sehr oft verwechselt. Bei vielen kleinen stark juckenden Stichen am Körper liegt es nahe, erst an Flöhe zu denken.

Der Unterschied ist, das sich einzelne Sandflöhe unter die Haut der Füße bohren und dort bis zum Tod bleiben.

Sandmücken dagegen beißen als sogenannte Poolsauger Stücke aus der Haut, um an Ihr Blut zu kommen.

Die kleinen Stechinsekten sind sandfarben bis schwarz und fast vollständig mit Haaren bedeckt. Ihre Größe schwankt je nach Art zwischen 1,3 bis 4 Millimeter. Besonders auffällig sind ihre, im Verhältnis zum Körper, sehr großen Augen.

Wichtiger Hinweis
Es gibt etwa 700 Arten Sandmücken weltweit. Die folgenden detaillierten Beschreibungen beziehen sich ausschließlich auf die in Europa verbreiteten Arten.

Tropische Sandmücken verhalten sich völlig anders. Sie kommen am Strand vor, sind tagaktiv, fliegen bei Wind und hinterlassen unzählige Bisse. Es gibt fast kein Mittel, um sich gegen sie zu schützen!

Lebensraum und Verbreitung

Sandmücken gibt es nicht nur in den Tropen

Allgemein kommen unzählige Sandmückenarten in Australien, Afrika, Mittel- und Südamerika und Südeuropa vor, wo sie schwere Krankheiten verbreiten. Das nördlichste Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf einen Bereich von der Mongolei, dem Südwesten Kanadas und Paris.

Sandmücken nördlich der Alpen

Bis 1999 war man sicher, das nördlich der Alpen keine Sandmücken vorkommen. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, das sich verschiedene Sandmückenarten in Richtung Norden ausbreiten. In Süddeutschland und in der Umgebung von Köln wurden bei Untersuchungen im Rahmen von Doktorarbeiten bereits einige dieser Blutsauger gefangen.

Bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von zehn Grad Celsius können sie gut überleben und sich vermehren. Diese Durchschnittswerte werden immer öfter in der Rheinebene erreicht. Besonders in Scheunen und Gebäuden mit natürlichem Boden fühlen die Poolsauger sich wohl und sind bisher überwiegend in ländlichen Gebieten zu finden.

Sandmücken am Mittelmeer

Statistiken zufolge verbrachten im Jahr 2012 neunundsechzig Prozent aller Deutschen Ihren Urlaub am Mittelmeer. Spanien, Türkei, Italien und Griechenland bleiben wohl auch in kommenden Jahren die Favoriten – Tendenz steigend. Die Gefahr, von Sandmücken gebissen zu werden, wird dabei von vielen unterschätzt. Doch gerade im gesamten Mittelmeerraum sind gleich mehrere Arten vertreten.

Tagsüber fallen sie kaum auf, zumal sie am Strand nicht vorkommen; abends werden sie munter und treten oft in Massen auf.

Sandmücken sind streng nachtaktiv und beißen nur bei Windstille. Am liebsten überfallen sie ihre Opfer im Schlaf, denn gegen den sehr schmerzhaften Biss würden Sie oder Ihr Hund sich sonst wehren.

Schutz vor Sandmücken

Wie Sie Sandmücken erkennen

Aktiv sind Sandmücken von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang. In Höhlen, Ställen oder anderen dunklen Orten gilt das natürlich nicht, denn hier finden Sie aktive Sandmücken zu jeder Tageszeit.

Europäische Sandmücken brauchen Windstille und kommen am Strand deshalb nicht vor. Ab der zweiten bis dritten Häuserzeile hinter dem Strand müssen Sie mit Sandmücken rechnen.

Sandmücken sind schlechte Flieger, die sich normalerweise höchstens zwei Meter über dem Boden bewegen. In der Regel sind Sie also ab dem zweiten Stock geschützt. Bietet sich den Sandmücken allerdings keine Gelegenheit zum Biss, orientieren Sie sich auch an Lichtquellen wie Glühbirnen und fliegen bei Bedarf auch mal über den zweiten Stock hinaus.

Bevor Sandmücken sich zum Blut saugen niederlassen fliegen sie scheinbar ziellos umher. Selbst wenn sie auf ihrem Opfer gelandet sind, laufen sie etwa drei bis fünf Minuten hin und her, bevor sie einen Platz gefunden haben.

Wie Sie sich vor Sandmückenbissen schützen können

Tragen Sie Kleidung, die den Körper so gut wie möglich bedeckt. Schützen Sie alle unbedeckte Hautstellen spätestens bei Einbruch der Dunkelheit mit einem guten Repellent.

Verzichten Sie besser auf moderaten Mückenschutz oder gar Hausmittel, die helfen hier nicht weiter. Da Sandmücken vorwiegend in Bodennähe leben, müssen Sie Füße und Beine besonders schützen.

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Für gefährdete Innenräume brauchen Sie ein feinmaschiges Zelt, denn Sandmücken sind sehr klein. Besser eigenen sich imprägnierte Moskitozelte, wie sie auch zum Schutz vor Malaria verwendet werden. Natürlich können Sie ihr Moskitzonetz auch selber imprägnieren. Für Übernachtungen unter freiem Himmel hilft ein Moskitozelt gegen Sandmücken. Weitere Informationen und ein passendes Moskitonetz finden Sie unter Moskitonetze und Zelte.

Sandmückenbisse erkennen

Wenn Sie von Sandmücken gebissen werden

Ein plötzlich auftretender stechender und sehr intensiver Schmerz auf der Haut ist ein sicheres Zeichen, das Sie gerade gebissen werden. Im Schlaf spüren Sie den Biss oft nicht. Beobachten Sie, ob die Sandmücke alleine war. Wenn mehrere Sandmücken zu sehen sind, wechseln sie besser rasch den Ort.

Die Hautstellen, an denen Sie gebissen wurden, sollten Sie schnellstens behandeln, um mögliche Folgen einzugrenzen.

Da die Reaktion Ihres Körpers die Gleiche wie bei Mückenstichen ist, können Sie Bisse durch Sandmücken auch so behandeln.

Folgen von Sandmückenbissen

Beim Saugen injiziert die Sandmücke Giftstoffe aus ihrer Speicheldrüse. Dadurch kommt es zu Blasen und Papeln auf der Haut, die mehrere Wochen nicht verheilen. Diese Reaktion tritt in der Regel nur dann auf, wenn Sie vorher noch nie gebissen wurden.

Die häufig auftretende allergische Reaktion trägt den Namen Harara, das arabische Wort für Hitze. Wenn aus der Bissstelle eine große, nässende Wunde mit rotem Hof wird, müssen Sie zum Arzt. Beschreiben Sie genau, woher sie den Stich vermuten, denn viele Ärzte kommen nicht auf die Sandmücke. Möglicherweise haben Sie sich mit Leishmaniose infiziert. Oft heilen die infizierten Stiche über mehrere Monate nicht ab.

Fühlen Sie sich allgemein nicht wohl, haben Fieber oder vermuten eine Infektion in Folge eines Stich, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Da Sandmücken immer stärker nach Norden vorrücken, ist man in den letzten Jahren sensibler auf das Thema Leishmaniose geworden.

Es kann dennoch passieren, das Sie nicht ernst genommen werden. Informieren Sie sich am besten bei einer Beratungsstelle oder dem Tropeninstitut, wenn Sie nicht sicher sind.

Beratungsstellen für Leishmaniose
An der Charité in Berlin hat das Institut für Tropenmedizin eine Beratungs- und Dokumentationsstelle für Leishmaniosen eingerichtet. Hier können Sie sich beraten lassen, wenn Sie eine Infektion mit Leishmaniose vermuten.

Krank durch Sandmücken

Gefährliche Krankheiten durch Sandmücken

Nicht nur in den Tropen übertragen Sandmücken schwere Krankheiten. Am Mittelmeer und in letzter Zeit verstärkt in den warmen Gebieten Mitteleuropas können Sandmücken Leishmaniose übertragen, die für Mensch und Tier gleichermaßen gefährlich ist.

Phlebotomusfieber  (Sandmückenfieber)

Das Sandmückenfieber tritt oft im im europäischen und afrikanischen Mittelmeerraum, in Indien und im westlichen Teil Asiens auf.

Die Sandmücke, die es überträgt, wandert zunehmend nach Deutschland ein. Ausserdem werden viele Urlauber von Sandmücken gebissen, und bringen den Erreger mit nach Hause.

Oroya-Fieber oder Peru-Warzen

Diese Krankheit spielt in Europa keine Rolle, sondern wird nur auf den Hängen der westlichen Anden in Peru, Ecuador und Kolumbien übertragen.

Leishmaniose

Mindestens dreißig Sandmückenarten können die Leishmaniose übertragen, wobei nicht nur der Mensch, sondern auch Hund und Katze gefährdet sind. Weltweit infizieren sich nach Schätzungen 1,5 bis 2 Millionen Menschen mit Leishmaniose.

Die Krankheit wird von Sandmücken übertragen, und kommt haupsächlich in Gebieten wie Brasilien, Indien, Sudan, Bangladesh und Nepal vor. In Europa und Nordafrika ist besonders der Mittelmeerraum betroffen.

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Die Leishmaniose rückt in den letzten Jahren zunehmend nach Deutschland vor. Es erkranken bereits Kinder, die sich noch nie in Gebieten mit Leishmaniose aufgehalten hatten. Ihre Mütter jedoch dienten als sogenanntes Reservoir für die Krankheit. Sie wurden Jahre zuvor beim Aufenthalt in einem Risikogebiet infiziert, ohne nennenswert zu erkranken.

Es sind mittlerweile auch mehrere Fälle bekannt, bei denen sich Menschen in Deutschland mit Leishmaniose angesteckt haben.

Leishmaniose ist tückisch. Die Ausprägung der Krankheit hängt von der Gegend, der Sandmückenart und dem Immunsystem von Hund, Katze oder Mensch ab.
Wird Leishmaniose behandelt, liegt die Sterberate bei drei bis zwanzig Prozent. Unbehandelt führt sie oft zum Tod.

Leishmaniose beim Hund

So bringen Sie einen gesunden Hund aus dem Urlaub mit

Hunde im Mittelmeerraum sind besonders stark von Leishmaniose betroffen. Durch ihre Nähe zum Boden sind Hunde anfällig, von Sandmücken gebissen zu werden. So sind in Andalusien zweiundvierzig Prozent und in Sizilien etwa achtzig Prozent aller Hunde mit Leishmanien infiziert.

Vorsicht vor Importhunden
Sie rühren ans Herz und es fällt schwer, einen kranken oder bettelnden Hund nicht zu beachten. Doch gerade wildlebende Hunde aus Risikogebieten sind häufig unheilbar an Leishmaniose erkrankt. Verzichten Sie lieber auf einen solchen Hund als Urlaubsmitbringsel.

Auch wenn Sie einen Problemhund aus einem solchen Risikogebiet adoptieren, sollten ihr erster Weg zum Tierarzt sein.  Leishmaniose bei Hunden kann nur dann erfolgreich behandelt werden, wenn sie noch nicht ausgebrochen ist.

Wie Sie Ihren Hund vor Sandmücken schützen

Denken Sie daran, das Ihr Hund im Urlaub Schutz braucht und legen Sie ihm zwei Wochen vor Reiseantritt ein Scalibor® Protectorband mit Deltamethrin um.

Dieses Halsband wurde speziell zum Schutz vor Sandmücken entwickelt und entfaltet erst nach vierzehn Tagen seine volle Wirkung.

Schon gewusstWird Ihr Hund von einer infizierten Sandmücke gebissen, überträgt sie bei ihrem Biss Leishmanien. Allerdings bricht bei etwa der Hälfte aller Hunde die Leishmaniose nicht aus.

Als Reservoir trägt Ihr Hund die Leishmanien allerdings in sich und sorgt so für die Verbreitung, ohne jemals sichtbar zu erkranken. Wird er von einer Sandmücke gebissen, nimmt Sie die Erreger auf. Werden Sie anschließend von der gleichen Sandmücke gebissen, erkranken Sie möglicherweise an Leishmaniose.

Direkt anstecken können Sie sich bei Ihrem Hund nicht, es braucht immer eine Sandmücke dazu.

Lassen Sie Ihren Hund in gefährdeten Gebieten nach Sonnenuntergang nicht mehr raus. Da er unbeaufsichtigt überall rumschnüffelt, wird er sicher irgendwann von Sandmücken gebissen. Auch im Auto ist er nicht sicher. Am besten nehmen Sie Ihren Hund nachts mit ins Haus und beim Gassi gehen an die Leine.

Planen Sie einen längeren Aufenthalt, fragen Sie Ihren Tierarzt nach einer Impfung gegen Leishmaniose für Ihren Hund.

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