Sandflöhe bekämpfen

Bei einem Aufenthalt in den Tropen lassen Sie sich meist gegen die bekannten Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber impfen. Auch bei den Warnungen vor Ungeziefer denken die meisten an Läuse, Flöhe oder Bettwanzen. 

Relativ unbekannt ist der Befall mit Sandflöhen. Deshalb bringen Touristen gerade nach dem barfuß laufen am karibischen Strand oder wüstenähnlichen Gegenden Sandflöhe mit nach Hause.

Oft verwechselt – Sandmücke und Sandfloh

Wann Strandurlaub in den Tropen zum Albtraum wird

Für viele Urlauber ist bereits der erste Tag am tropischen Strand mit einer bösen Überraschung verbunden. Schwarze winzige Mücken fliegen vom Boden auf und überfallen jedes Fleckchen nackte Haut. Nach diesem Überfall klagen die meisten über zahlreiche heftig juckende Stiche, die sich meist nach kurzer Zeit entzünden.

Viele denken an Strand- oder Sandflöhe und verzweifeln häufig an den beißenden Mücken.

Hier haben Sie es definitiv nicht mit Flöhen sondern mit Sandmücken zu tun, die weltweit mit etwa siebenhundert Arten verbreitet ist.

Wichtiger Hinweis zur Sandmücke

Tropische Sandmücken verhalten sich anders als unsere europäische Art. Sie kommen am Strand vor, sind tagaktiv, fliegen bei Wind und hinterlassen hunderte Bisse. Für die meisten Betroffenen führt der Weg am zweiten Urlaubstag erst mal in die Apotheke.

Sandmücken, wie sie in Europa und im Mittelmeerraum vorkommen, sind zwei Millimeter große, sandfarbene bis schwarze Mücken. Seit dem Jahr 1999 werden sie immer öfter nördlich der Alpen und in Deutschland gefunden. Die Beschreibungen auf der Seite Sandmücken bekämpfen beziehen sich ausschließlich auf die in Europa verbreiteten Arten.

Lebensraum von Sandflöhen

Sandflöhe lauern im Sand auf ihr Opfer

Zunächst kamen Sandflöhe nur in Brasilien vor, wo sie bereits im 16. Jahrhundert beschrieben wurden. Von dort verbreiteten Segelschiffe Sandflöhe über ganz Südamerika, in der Karibik und südlich der Sahara in Afrika.

1999 berichteten Parasitologen in Italien von einem Bademeister am Tyrrhenischen Meer, der sich mit Sandflöhen infiziert hatte. Er war nie in den Tropen gewesen. Man nimmt an, das eingeschleppte Sandflöhe durch die Klimaerwärmung überlebten und sich auch am Mittelmeer entwickeln konnten.

Wie Sandflöhe leben und sich weiter vermehren

Sandflöhe sind die kleinsten Flöhe ihrer Art. Nur einen Millimeter ist das Flohweibchen groß, das noch unbefruchtet im Sand lauert und auf einen vorbeilaufenden Wirt wartet. Sandflöhe können höchstens einen Meter hoch springen, was sie aber oft nicht müssen.

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Auf ihr vorbeilaufendes Opfer springen sie auf und beginnen sofort, in die Haut zwischen den Zehen oder unter den Zehnägeln einzudringen.

Dreißig Minuten bis zu mehreren Stunden brauchen Sandflöhe nun, um sich in die Haut bis zum nächsten Blutgefäß zu bohren. Der hintere Teil mit den Paarungs- und Ausscheidungsorganen bleibt über der Hautoberfläche und ist als kleiner schwarzer Punkt sichtbar. Auch die Atmungsorgane liegen oberhalb der Haut.

Sandflöhe saugen, sobald sie ein Blutgefäß getroffen haben, das erste Mal Blut und können dabei bis auf zwölf Millimeter anschwellen. Ein zufällig vorbeikommendes Männchen befruchtet jetzt das Weibchen, das nun mit der Ablage mehrerer tausend Eier beginnt.

Diese fallen durch die freiliegende Öffnung am Hinterleib auf den Boden und entwickeln sich in drei bis vier Tagen zu Larven. Nach drei Wochen ist die Entwicklung von Sandflöhen abgeschlossen und die fertigen Sandflöhe suchen sich ein neues Opfer.

Sandflöhe können sich nur im Sand entwickeln

Nach drei bis fünf Wochen stirbt das Flohweibchen, ohne den Platz in Ihrem Körper zu verlassen. Der Stich heilt und die toten Sandflöhe wachsen irgendwann heraus.
Weitere Sandflöhe können Sie sich nur erneut im Sand holen. Auf oder in Ihrem Körper können sich die sich die Larven nicht zu Sandflöhen entwickeln.

Tungiasis - krank durch Sandflöhe

Bei Kindern in Afrika tritt starker Befall durch Sandflöhe nicht selten auf - BitelingDie Sandflohkrankheit Tungiasis ist eine typische Armutskrankheit. In einem Teil Brasiliens ist jedes sechste Kind unter einem Jahr befallen. Drei Viertel der Fünf- bis Neunjährigen sind Opfer von Sandflöhen.

An einzelnen Bewohnern der Slums wurden bis zu einhundert Sandflöhe gefunden. Auf Grund starker Schwellungen und Schmerzen können viele nicht richtig laufen oder arbeiten.

In Uganda können Kinder wegen heftigen Befalls mit Sandflöhen nicht mehr zu Schule gehen. Sie spielen gerne im Sand und so haben sich Sandflöhe auch auf den Händen eingenistet. Das Halten eines Bleistiftes ist nicht mehr möglich.

Weitere Infos zu Sandflöhen gibt es bei Wikipedia – Achtung- das Bild ist nichts für zarte Gemüter.

Krankheiten durch falsches Entfernen von Sandflöhen

Die größte Gefahr einer schweren Erkrankung beim Befall mit Sandflöhen entsteht wenn Menschen versuchen, eingedrungene Sandflöhe selber zu entfernen. Oft werden Sandflöhe mit unsauberem Werkzeug wie Nadeln oder kleinen Messern aus der Haut geschnitten. Durch mangelhafte Hygiene wurde dabei bereits HIV übertragen.

Ebenfalls gefährlich ist der Versuch, Sandflöhe herauszudrücken. Meistens führt diese Aktion zu heftigen Entzündungen oder zu Infektionen mit Tetanus oder Hepatitis-B.

Befall mit Sandflöhen erkennen

Wenn sich ein Sandfloh bei Ihnen eingenistet hat

Wenn der Sandfloh in die Haut eindringt, spüren Sie meist nichts und es ist höchtens ein rötlicher Punkt sichtbar. Nach einer Weile beginnt die Haut in diesem Bereich stark zu jucken.
Da hier durch den Sandfloh eine Verletzung besteht, können Bakterien ungehindert eindringen.

Nach ein bis zwei Tagen verfärbt der Bereich sich weiß und beginnt anzuschwellen. Oft wird die Stelle mit einer Warze oder einem Abszess verwechselt. Nach einer Weile ist der Bereich zur übrigen Haut scharf abgegrenzt, prall und glänzend.

Zwei bis drei Wochen nach dem Eindringen können Sie die Eiablage der Sandflöhe und das Absetzen von Kot beobachten. Die Stelle schmerzt jetzt sehr und fühlt sich wie ein Fremdkörper an.

Drei bis fünf Wochen nach dem Befall mit Sandflöhen stirbt das Flohweibchen. Jetzt ist die Stelle nicht mehr so prall und bekommt eine bräunliche Kruste. In der Regel heilt der Bereich folgenlos ab.

Vorbeugung gegen Sandflöhe

Diese Maßnahmen schützen Sie vor Sandflöhen

Als Tourist werden Sie selten Opfer von Sandflöhen es sei denn, sie gehen barfuß oder nur mit Badelatschen bekleidet über sandigen Boden.

Anders verhält es sich mit Entwicklungshelfern oder Abenteuerurlaubern. Menschen, die in abgelegenen Dörfern und Slums arbeiten, sind wie die einheimische Bevölkerung auch sehr stark gefährdet, durch Sandflöhe befallen zu werden.

Erste eingeschleppte Sandflöhe konnten am Mittelmeer bereits überleben und sich vermehren. Wissenschaftler nehmen an, das durch die Klimaerwärmung Sandflöhe in Zukunft häufiger auf den Stränden des Mittelmeers zu finden sind.

Mittel zum Schutz vor Sandflöhen

Unbekleidete Hautstellen müssen Sie mit einem Insektizid schützen. Mückenschutzmittel mit dreißig bis fünfzig Prozent DEET oder Icaridin, wie sie auch gegen Malaria empfohlen werden, reichen hier schon aus.

Repellentien mit DEET

Die Repellentien sind tropentauglich und vom WHO empfohlen.
Wenn Sie mehr über Repellentien mit DEET wissen wollen, clicken Sie hier

Repellentien mit Icaridin

Die Repellentien sind tropentauglich und vom WHO bzw. vom Schweizerischen Tropeninstitut empfohlen.

 

Wenn Sie mehr über Repellentien mit Icaridin erfahren wollen, clicken Sie hier

Moskitozelte zum Schutz vor Sandflöhen

Ein Moskitozelt schützt Sie vor dem Befall mit Sandflöhen besonders bei Übernachtungen am Strand oder beim Aufenthalt in gefährdeten Gebieten.

Moskitozelte gegen den Befall durch Sandflöhe

 
Wenn Sie mehr über Moskitonetze und Zelte erfahren wollen, clicken Sie hier

Waschmittel und Spray zum Schutz vor Sandflöhen

Erfahrungsgemäß reichen feste Schuhe und Socken alleine nicht aus. Hosenbeine, Socken und Schuhe können mit einem speziellen Waschmittel oder einem Spray mit Permethrin imprägniert werden.

Waschmittel und Spray für ihre Kleidung und Moskitonetze

Wenn Sie mehr über die Mittel zur Imprägnierung Ihrer Kleidung und Moskitonetze erfahren wollen, clicken Sie hier

Sandflohstiche behandeln

Entfernen Sie Sandflöhe niemals selbst

Meistens bringen Sie als Tourist ein bis maximal zwei Sandflöhe mit. Die Stellen sind recht schmerzhaft und können Sie beim Laufen stark behindern.
Versuchen Sie keinesfalls, Sandflöhe selber zu entfernen oder gar heraus zu schneiden – das geht meistens schief. Die Stellen können sich heftig entzünden.

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Gehen Sie, wenn Sie die Möglichkeit haben, zum Arzt. Er entfernt die Flöhe und verabreicht Antibiotika, um einer bakteriellen Infektion vorzubeugen. Ausserdem wird nach Bedarf Ihre Tetanusimpfung aufgefrischt.

Sollte das nicht möglich sein, hilft nur noch Warten. Nach drei  bis fünf Wochen ist der Spuk vorbei und die Sandflöhe sind abgestorben.

Forscher finden Medikament gegen Sandflöhe

Sandflöhe wurden bisher immer operativ entfernt, da es bisher nicht möglich war, die betroffenen Hautstellen mit Medikamenten zu behandeln.

Wissenschaftler an der Charité in Berlin haben jetzt herausgefunden, das ein Mittel mit zwei Sorten Dimeti­con Sandflöhe abtötet. Das Silconnöl ist in einem bei uns zugelassenen Shampoo gegen Kopfläuse (NYDA® gegen Läuse und Nissen) enthalten.

Das neu entwickelte Mittel gegen Sandflöhe besteht allerdings aus Dimeti­con mit unterschiedlicher Viskosität. Die Lösung wird auf die betroffene Stelle aufgetragen und dringt in die Öffnung ein, durch die der Sandfloh ausscheidet, atmet und Eier legt.

Bei ersten Studien in Kenia starben in wenigen Minuten achtundsiebzig Prozent der Sandflöhe und zweiundneunzig Prozent entwickelten sich nicht weiter. Wenn Sandflöhe erst abgestorben sind, stellen Sie für den Körper keine Gefahr mehr dar und die Entzündungen verschwinden innerhalb von einer Woche.

Dieses erste wirksame Medikament, um die Folgen vom Befall durch Sandflöhe zu behandeln, ist leider noch nicht erhältlich.

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