Alles über Bremsen

Wie aus dem Nichts überfallen Bremsen Sie am Badesee, beim Waldspaziergang oder beim Reiten und lassen sich unbemerkt auf meist unerreichbare Körperstellen nieder.

Sobald die Bremsen gelandet sind, beginnen sie sofort sehr schmerzhaft zu stechen. Dünne Stoffe wie bei sommerlichen T-Shirts oder Hemden sind für Bremsen kein Hindernis.

Nicht nur Menschen sind betroffen, auch Tieren setzen die blutsaugenden Insekten heftig zu. Im Gegensatz zu anderen Bremsenarten umkreist die Pferde- oder Viehbremse mit lautem Brummen ihre Opfer, bevor Sie sticht. Oft müssen Rinder oder Pferde während der Hauptsaison im Juli wegen den Überfällen lästiger Bremsen in den Stall zurück.

Ganz vertreiben lassen sich die hartnäckigen Bremsen nicht, doch mit einigen Informationen kommen Sie mit dem blutsaugenden Insekt ganz gut klar.

Bremsenarten in Mitteleuropa

Verkannte Schönheit in graubraunem Kleid

Der lateinische Sammelbegriff für Bremsen lautet Tabanidae und sie kommen weltweit in vielen unterschiedlichen Arten vor. Drei Arten der mittelgroßen bis großen Fliegen sind in Mitteleuropa am häufigsten vertreten. Das sind Regenbremse und Goldaugenbremse für den Menschen und die 25 mm lange Ross- oder Pferdebremse für das Großvieh.

Wenn sie vorher nicht erschlagen werden, fallen bei den in Mitteleuropa heimischen Bremsenarten ihre besonders großen, farbintensiven und schillernden Augen auf.

Bremsen kommen weltweit vor. Die Regenbremse ist die häufigste Bremsenart in Europa - Biteling

Der graubraun gefärbte, borstenfreie Körper ist eher von schlichter Schönheit. Nur die Form des Kopfes sowie Farbe und Musterung von Körper und Flügel machen bei erwachsenen Bremsen eine Unterscheidung der Arten möglich.

Die Regenbremse kommt am häufigsten vor

Etwa viertausend verschiedene Bremsenarten gibt es weltweit, davon etwa sechzig Arten in Deutschland und Mitteleuropa. Neben einer Reihe vom Aussterben bedrohter Bremsenarten bleiben in unseren Breiten noch drei Arten übrig, die Mensch und Tier lästig werden können.

Am häufigsten ist auf der Nordhalbkugel neben der Goldaugenbremse und der gemeinen Vieh- oder Pferdebremse die Regenbremse anzutreffen. Die acht bis zwölf Millimeter große Regen- oder Gewitterbremse ist die häufigste Bremsenart Europas.

Der Lebensraum von Bremsen beschränkt sich auf die Nähe von Sümpfen, Waldrändern und Feuchtwiesen. Wenn Sie sich in den Wald flüchten, können Sie Bremsen gut abschütteln, da bewaldete Gebiete nicht zum natürlichen Lebensraum von Bremsen gehören. Wahre Bremsennester können Sie hingegen in Entwässerungsgräben von Wiesen und Feldern finden.

Schon gewusstBremsen tragen viele Namen.

Im norddeutschen Raum wird die Bremse oft auch Dase (von Dasselfliegen) oder Blinde Fliege genannt.

In Süddeutschland und Teilen Österreichs und der Schweiz heißt sie Bräme oder Brämer.

Blinder Kuckuck sagen die Westdeutschen zu ihr, während die Bezeichnungen Gewitterbremse oder Faulstich sich regional nicht zuordnen lässt.

Die tagaktiven Bremsen fliegen von Mai bis Oktober, wobei Ihre Hauptsaison der Monat Juli ist. Während die Männchen von Goldaugen- und Regenbremse sich wie bei den Stechmücken ausschließlich von Blütennektar ernähren, müssen die Weibchen für die Entwicklung ihrer Eier wenigstens einmal Blut saugen.

Ihre Opfer finden sie durch einen für Bremsen unwiderstehlichen Cocktail verschiedener Gerüche. Auch die Körpertemperatur und ausgestossenes Kohlendioxyd werden von den schnellen ausdauernden Fliegern exzellent wahrgenommen. Mit den großen Augen können Sie die Farbe und Größe Ihrer Opfer erkennen.

Völlig lautlos nähern Sie sich Regen- oder Goldaugenbremse dem Menschen. Wenn Sie nicht landen können, verfolgen Sie ihre Opfer hartnäckig über lange Strecken mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 70 Stundenkilometern.

Die einheimische Goldaugenbremse hat besonders schöne Augen. Auch sie ist in Mitteleuropa häufig zu finden - Biteling

So entstehen Bremsenstiche

Der Biss einer Bremse ist sehr schmerzhaft

Der Begriff Bremsenstich ist eigentlich falsch, denn die Poolsauger schneiden mit Ihren fünf Stechborsten eine blutende Wunde. Da die dicken, groben Mundwerkzeuge neben Blutgefäßen meist auch Nervenenden verletzen, ist der Stich sofort sehr schmerzhaft.

Während dem Saugvorgang werden etwa 0,2 ml austretendes Blut an der Hautoberfläche von der Bremse aufgenommen. Durch das gerinnungshemmende Mittel in der Stichwunde, das nach den dem lateinischen Namen der Bremsen (Tabanidae) Tabanin genannt wird, bluten die Stiche sehr lange nach.

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Bei großen Tieren werden diese Blutungen auch oft von anderen Parasiten genutzt, wenn die Bremse schon längst weg ist.

Werden Bremsen beim Saugen gestört, sind sie recht hart im Nehmen. Erwischen Sie die Bremse beim ersten Mal nicht, kommt sie sofort zurück, um ein zweites Mal zu stechen. Selbst wenn das Insekt durch einen Schlag offensichtlich verletzt ist, lässt sie nicht von ihrem Opfer ab.

Bremsen müssen meist mehrere Opfer aufsuchen, da sie durch den schmerzhaften Stich häufig gestört und vertrieben werden.

Paarung und Fortpflanzung von Bremsen

Bremsen mögen Schlamm und Matsch

Männchen und Weibchen der Bremsen haben unterschiedliche Flugzeiten. Während die Männchen vorwiegend in den frühen Morgenstunden aktiv sind, suchen Weibchen besonders am späten Vormittag und frühen Nachmittag Ihre Opfer. Nur zur Paarung treffen sich Weibchen und Männchen der Bremsen.

Das Weibchen der Bremsen braucht nach der Paarung Proteine – also Blut – damit die Eier sich optimal entwickeln. In der Nähe von Gewässern legt das Bremsenweibchen ein Eipaket aus etwa hundert Eiern oder auch mehr ab.

Im Schlamm oder auch in der Nähe von Gewässern entwickeln sich etwa 12 mm lange, weiße und walzenförmige Bremsenlarven. In diesem Larvenstadium ernähren sie sich vorwiegend von organischen Überresten oder anderen Larven. Die Larve der Regenbremse atmet durch die Haut und kann im Gegensatz zu anderen Artgenossen bereits in feuchter Ackererde heranwachsen.

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Die Dauer der Entwicklung ist temperaturabhängig und geht im Sommer entsprechend schneller vor sich. Wenn es soweit ist, suchen die Larven zur Verpuppung trockeneres Gelände auf. Nach ein bis vier Wochen schlüpft die erwachsene Bremse.

Krankheiten durch Bremsenstiche

Diese Krankheiten können von Bremsen übertragen werden

Durch die recht großen, plumpen Mundwerkzeuge von Bremsen können sich Viren und Bakterien problemlos weiter verbreiten.

Auf den Menschen übertragen werden Milzbrand, die weilsche Krankheit und Tularämie (Hasenpest).

Ganz sicher und auch bereits nachgewiesen ist eine Übertragung der  Lyme-Borreliose durch den Biss einer Bremse. Um den Stich herum breitet sich bei der Übertragung von Borreliose ein großer roter Hof aus. Wenn dieser nach drei Tagen nicht verschwunden ist und sich die Wanderröte stattdessen vergrößert hat, müssen Sie beim Arzt einen Test auf Borreliose machen.

Nie bis sehr selten aber möglich ist die Verbreitung von Aids, da die Erreger von HIV besonders in den großen Mundwerkzeugen der Pferdebremsen eine Zeit lang überleben können.

Pferde werden bei uns vorwiegend mit der infektiösen Anämie infiziert, die aber in Mitteleuropa selten geworden ist.

In den Tropen können Bremsen Krankheitserreger in ihren großen Mundwerkzeugen rasch von Mensch zu Mensch transportieren. Neben vielen übertragenen Krankheiten bei Tieren fanden sich auch Nachweise einer Übertragung von Malaria außerhalb des natürlichen Vorkommens der Tsetse – Fliege. Hier wird von einer Infektion durch Bremsenstiche ausgegangen.

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